Stellungnahme zum ESG-Workshop „Männer machen Männersachen“

17. Oktober 2016|

Die zentrale Studienberatung der Universität Siegen hat zu Beginn des Wintersemesters 2016/17 eine Infobroschüre mit Veranstaltungen für Studierende publiziert. Darin wird neben „Progressiver Muskelentspannung für AnfängerInnen“ oder „Study-Work-Life-Balance“ der Workshop „Männer machen Männersachen“ in Kooperation mit der Evangelischen Studierendengemeinde Siegen angeboten (ESG). Wir, der AStA der Universität Siegen, möchten uns in Form dieser Stellungnahme, deutlich von dem Workshop „Männer machen Männersachen“ distanzieren, denn neben der stereotypen Darstellungsweise von Männlichkeit, wird eine klare Definition des „Mann-Seins“ formuliert: „Ja, es stimmt! Manchmal kommen wir als Chauvis rüber, trinken manchmal zu viel, riskieren mehr, grölen im Stadion und denken „nur an das Eine“. Zwar wird hier noch einmal deutlich betont, dass das nur „manchmal“ stattfindet und „auch nicht alle“ Männer betroffen seien, diese Zusatzinformation versucht zwar aufzuzeigen, dass verschiedene Männlichkeiten existieren, dass es aber nur „manchmal“ Okay ist als Mann zu weinen oder Gefühle zu zeigen und alle Männer chauvinistisches Verhalten in sich tragen,können wir als AStA nicht akzeptieren.  Diese Stereotype sind genauso aus der Luft gegriffen, wie die Auferstehung des historischen Jesu‘.

Die Beschreibung des Workshops ist heteronormativ und grenzt alle nicht-heterosexuellen Männer aus, da es klar scheint, dass nach der vorherrschenden „Baseball-Logik“, neben der eigenen Baseballkappe (die auch nur Männer tragen) einzig die Freundin geliebt wird. Homo-,  bi- oder pansexuelle (sogar ledige) Männer werden hierbei komplett ausgeschlossen und diskriminiert.  Wir kämpfen dafür, dass die Universität für alle Menschen unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Aussehen, (vermeintlicher) Herkunft, Stellung in der Gesellschaft, o.ä. als sicherer Ort dient. Durch derartige Veranstaltungen sehen wir dies nicht gegeben und möchten diesen Umstand sichtbar machen.
Schon im zweiten Absatz des Textes wird sich auf Halbwissen bezogen. Gefährlich, denn die Erfindung der Teflonpfanne wird eindeutig einem Mann zugeschrieben. Dass Colette Gregoire die Pfanne in Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann Marc Gregoire
erfunden hat, ist wohl nebensächlich. Uns ist außerdem schleierhaft, warum nur Männer Autos reparieren können. KfZ-Mechanikerinnen in Deutschland und anderen Teilen der Welt, wird dies garantiert empören.
Über die Behauptung, dass Männer im Allgemeinen nicht gern über ihre Gefühle sprechen, können wir nur lächeln. Interessant hierbei ist gerade, dass die Anmeldung für den Workshop an die Psychologische Beratung der Uni gerichtet werden soll. Wir sind uns fast sicher, dass hier auch viele Männer über ihr Leid klagen.
Über „Indianer Jones“, der übrigens nicht als amerikanischer Urweinwohner zu verstehen ist, sondern dessen Vorname Indiana sein soll, brauchen wir gar nicht erst anfangen. Auch wundert uns sehr, dass Frauen keine Heldinnen sein können. Wonder Woman, Bibi Blocksberg oder die Feministin Laurie Penny haben demnach mit Held*innentum gar nichts zu tun.
Zu guter Letzt möchten wir noch betonen, dass Männer eigentlich zumeist gar keinen geschützten Raum benötigen. Gerade weiße, heterosexuelle Männer sind hiervon seltenst betroffen.
Wir fragen uns des Weiteren, ob die ESG Siegen überhaupt die psychologische Beratungs-Expertise besitzt, einen solchen geschützen Raum herzustellen, unabhängig davon dass die Veranstaltung von der Zentralen Studienberatung mitorganisiert wird. Ohnehin ist es fraglich, dass eine religiöse Gruppierung mit der universitären Studienberatung zusammenarbeitet, nimmt die ESG Siegen hiermit gegenüber anderen relgiösen Gruppen eine privilegierte Stellung ein.

Sieht unsere Gesellschaft heute wirklich so aus? Unsere Universität sollte Diversität fördern und nicht Räume schaffen für Veranstaltungen, in denen weiterhin das patriarchale Gesellschaftsbild propagiert wird. Ein Workshop, der Ansichtsweisen des 20. Jahrhundert reproduziert, ist aus unserer Perspektive dazu sicherlich keine guter Ansatz.
Wir bitten die ESG Siegen und die psychologische Beratungsstelle der Uni Siegen um eine Stellungnahme,

mit queeren Grüßen,

der AStA der Uni Siegen

 
 
 
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