Rektoratsempfang 2016

11. November 2016|

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Unser Vorsitzender Sebastian Mack hat auf dem diesjärigen Jahresempfang des Rektorats, zu dem Dozierende, als auch Größen aus Wirschaft und Politik eingeladen wurden, eine Rede gehalten, diese möchten wir euch, die ihr leider nicht eingeladen wart, nicht vorenthalten:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

als Vertretung des AStA darf auch ich Sie zum diesjährigen Jahresempfang willkommen heißen. Wir freuen uns über die Gelegenheit, unsere Anliegen vortragen zu können, aber wie jedes Jahr wurden die restlichen Studierenden nicht eingeladen. Dies ist für uns nicht verständlich, machen doch die vielen Studierenden diese Universität erst zu dem, was sie eigentlich ist.

Mit dem neuen Semester ist auch ein neuer AStA an den Start gegangen. Damit kommen auch viele neue Ziele und Pläne, die ich Ihnen gerne kurz erläutern würde. Zuerst möchte ich Ihnen jedoch ein immernoch aktuelles Thema aus der letzten Legislatur ans Herz legen. Trotz der Regelungen im Hochschulzukunftsgesetz, bereitet uns die Anwesenheitspflicht immer noch Arbeit. Im studentischen Alltag sollten nur noch vereinzelt Anwesenheitspflichten auftauchen, wie z.B. in Sprachkursen, Übungen oder Laborversuchen. Leider haben sich bereits in den wenigen Wochen des aktuellen Semesters zahlreiche Studierende darüber beschwert, dass sie Anwesenheitspflicht in Vorlesungen haben oder bei jedem Fehlen Atteste vorlegen sollen. Dies kann und darf einfach nicht sein! Für viele Studierende sind Anwesenheitspflichten fernab von jeglicher Lebensrealität. Wer in der Gastronomie arbeitet und unter der Woche Nachtschicht hat, schafft es wohl kaum morgens um acht ins Seminar. Für die meisten Studierenden ist ein Studium ohne Nebenjob kaum noch möglich. Ansonsten würde das Geld für die Miete, die eigenen Kinder oder das Studium generell nicht ausreichen, um nur ein Beispiel zu nennen. Als AStA setzen wir uns konsequent gegen unsinnige Anwesenheitspflichten ein, daher appelliere ich an dieser Stelle an alle Dozierenden unserer Universität, das geltende Recht einzuhalten und auf die Anwesenheitspflicht zu verzichten.

Nach wie vor ist auch der barrierefreie Zugang zur Universität nur lückenhaft möglich, was besonders unglücklich am Campus Unteres Schloss zu sehen ist. Für die anstehenden  Veränderungen muss hier konsequenter auf Barrierefreiheit geachtet werden, zumal die Universität sich mit einem Schwerpunkt im Bereich der Inklusion schmückt. Es  kann nicht sein, dass eine Universität in die Stadt zieht ohne sich vorher ausreichend Gedanken darüber zu machen, wie alle Studierenden die Uni erreichen können. Das ist für uns keine offene, sondern eine ausgrenzende Uni. Wir hoffen, dass bei weiteren Baumaßnahmen, die uns in nicht allzu langer Zeit erwarten, hierauf besser geachtet wird.

Dies leitet mich nun auch zum Thema Interim. Ihnen wird vielleicht bekannt sein, dass durch den Umbau der Universität Übergangslösungen geschaffen werden müssen. Hiervon sind auch die studentischen Nutzräume betroffen. Bezüglich Interim, liegt es dem AStA besonders am Herzen, dass die Räume zum Zeitpunkt der Fertigstellung ein studierendenfreundliches Umfeld wiederspiegeln. Auch das Thema Nachhaltigkeit ist hier von großer Bedeutung, was mich zur nächsten Neuerung leitet. Seit dieser Legislatur beschäftigt sich der AStA mit zwei Dingen intensiv. Erstens gibt es seit dieser Legislatur ein Referat für Nachhaltigkeit und Ökologie, bei dem wir uns dafür einsetzen wollen, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung stärker in das der Studierendenschaft, aber auch der gesamten Universität rückt. Zweitens wollen wir verstärkt auf Diskriminierungen aufmerksam machen. Sei es beispielsweise im Bereich Geschlecht, Sexualität oder der vermeintlichen Herkunft. Gerade in Anbetracht der Novemberprogrome, bei denen heute vor 78 Jahren die Siegener Synagoge niedergebrannt wurde, ist dies besonders zu betonen. Ich möchte an dieser Stelle auch auf die rassistischen Schmierereien und Aufkleber aufmerksam machen, die in letzter Zeit an unserer Universität gehäuft auftauchen. Für uns ist das nicht hinnehmbar! Unsere Idee einer Universität ist die einer offenen, an der alle Menschen willkommen sind.

Auch das Thema Zivilklausel ist uns natürlich ein wichtiges Anliegen. Hierzu wird sich unser Sozialreferent Alexander Steltenkamp heute an der Podiumsdiskussion beteiligen. Auch ich möchte hierzu noch einige Worte verlieren: Eine Universität hat immer auch dem Fortschritt aller Menschen zu dienen. Hierzu sollte auf ein friedliches Zusammenleben hingewirkt werden. Eine Zivilklausel drückt den Willen einer Universität aus, sich für ein solches Zusammenleben, ohne Krieg und für Forschung zu friedlichen Zwecken einzusetzen. Für den AStA der Universität Siegen ist unsere Zivilklausel eben nur ein Anfang und bei der derzeitigen Intransparenz längst nicht ausreichend. Gerade das Verhindern öffentlicher Diskussionen über bedenkliche Forschung sehen wir als Manko. Zu guter Letzt wünsche ich Ihnen allen einen schönen Abend. Bei Gesprächsbedarf stehen unsere Türen montags bis freitags von 9:30 bis 15:30 offen. Auch am heutigen Abend können Sie natürlich gern auf uns zukommen.

Vielen Dank!“

Quelle: www.uni-siegen.de

Neben der Preisvergabe für herausragende Abschlussarbeiten gab es auch eine Podiumsdiskussion mit dem Thema „Spannungsfeld Forschung und Verantwortung“. Teilnehmer waren, neben unserem Sozialreferenten Alexander Steltenkamp, Prof. Dr. Wolfgang Marquardt, der Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums Jülich, Prof. Dr. Dr. h.c. Carl Friedrich Gethman, ein Mitglied des Deutschen Ethikrates, Prof. Dr. Dirk Heberling, der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Hochfrequenzphysik und Dr. Ruth Seidl, eine Landtagsabgeordnete der Grünen.

Alexander sprach in dieser Diskussionsrunde vor allen Dingen die fehlende Transparenz bei der Drittmittelvergabe an und kritisierte die fehlende (Hochschul-)Öffentlichkeit bei kontroversen Forschungsprojekten.

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